+++News aus dem Landratsamt: Interview zur Suchtwoche 2022+++

Heute stellen wir Ihnen Herrn Z. vor, die über ihre Alkoholabhängigkeit spricht.

Herrn Z. ist schon lange an der Suchtberatung und wird an der Psychosozialen Beratungsstelle des Prop ev. in Freising im Rahmen des Betreuten Einzelwohnens betreut.

Das Interview mit Herr Z. hat Frau Benda Astrid geführt. Frau Benda ist Sozialpädagogin an der Beratungsstelle und begleitet Herrn Z.

Herr Z verraten Sie uns Ihr Alter und würden Sie uns etwas über sich erzählen?

Ich bin 64 Jahre und bin als Kind nach Deutschland gekommen

Seitdem wohne ich nahezu ununterbrochen hier in Freising, habe in der Jugend viel Sport gemacht, war gut integriert. Beruflich wäre ich gerne Radio- und Fernsehmechaniker geworden, auf Fehlinformation des Berufsberaters dass ich mich als Nicht-EWG-Ausländer für diesen Ausbildungsberuf nicht bewerben darf, und weil ich immer nur eine Aufenthaltserlaubnis für 3 Jahre bekam, bin ich aus Frust Hals über Kopf „für immer“ in mein Heimatland zurück. Nach 2 Monaten kam ich wieder zurück nach Freising, da ich mich dort inzwischen auch als Fremder fühlte. Ich musste wegen orthopädischen Problemen meinen geliebten Sport aufgeben, in dem ich mir durchaus Profiaussichten gemacht hatte und habe anschließend in verschiedensten Helferberufen gearbeitet, bis ich 2009 aus dem Berufsleben ausschied. Ich habe eine Familie mit erwachsenen Kindern, wohne aber in einer Notunterkunft.

Wie war Ihr Weg in die Alkoholabhängigkeit? Drogenabhängigkeit ?

Schon mit 11 Jahren nach dem Fußballspielen haben wir nach dem Training im Vereinsheim eine Mass Radler vorgesetzt bekommen, die Wirkung des Bieres hat mir damals schon gefallen, Auch die Einladung nach dem Training als Langstreckenläufer zum Weißbier war so üblich. In sämtlichen Arbeitsstellen war der Konsum von 7 – 8 Bier normal, auch bei den anderen Arbeitskollegen, da gab´s ja auch den Kiosk in der Arbeit, wo man sich das Bier gekauft hat, oder auch das Wägelchen durch die Fabrik, auf dem das Bier angeboten wurde. Cannabis kam mit 17 dazu. Gearbeitet habe ich trotzdem, das hatte eine hohe Wichtigkeit für mich. Das Konsumieren war wie ein alltägliches Bedürfnis wie Wassertrinken oder Essen zu sich nehmen.

Zudem war bei Ungerechtigkeiten im Leben, mit denen ich mich sehr schwer getan habe, der Alkoholkonsum unbewusst ein willkommenes Ablenkungsmittel, das habe ich erst im Nachhinein verstanden. Das war ein schleichender Prozess.

Sie sind an die Suchtberatungsstelle gekommen, wie kam es zu diesem Entschluss und wie war der Weg zur Beratungsstelle von Prop?

Irgendwann kam die Erkenntnis wenn ich so weitermache, ist es in einigen Jahren vorbei. Zudem hatte ich Frau und Kinder und ich fühlte die Verantwortung, was gegen meinen Zustand unternehmen zu müssen, und auch um meinen Enkelkinder nicht zu vermitteln, dass Alkohol normal wäre, nur weil mein Atem nach Alkohol riecht. Um sie kritisch für Alkohol zu machen.

Zu Prop kam ich erst später, nach verschiedenen Entgiftungen und Therapie.

Meine damalige Psychiaterin hat mir empfohlen, mich an Prop e. V. zu wenden, Seit 2016/17 bin ich in der Freizeit-Gruppe des Betreuten Einzelwohnens und werde auch in Einzelstunden begleitet. Die Gruppenanbindung war mir sehr wichtig.

Haben Sie sich damals als abhängig erlebt?

Ja!

Auch wenn ich´s mir schön geredet habe, dass mir die Rauschwirkung gefällt, wusste ich um die Abhängigkeit.

Wie war Ihr Weg aus der Sucht?

Nach massiven Schlafstörungen aufgrund eines unmenschlichen Schichtsystems, die ich mit Alkohol bekämpft habe, ging es in meinem Leben ziemlich bergab. Der Rauschgenuss war schon lange vorbei, ich trank nur noch um Schlafen zu können. Deshalb ging ich 2007 auf Entgiftung, mit der Hoffnung meinen Schlafrhythmus wieder zu bekommen. Die Abstinenz danach hat mir diesbezüglich nichts gebracht, ich habe auch viele Ratschläge um Schlafen zu können befolgt – nichts. Ich fiel nach über einem Jahr Abstinenz wieder in den Konsum zurück, zusammen mit einer schweren Depression was zu einer Erwerbsunfähigkeit führte. Mein Beginn war der Besuch in 2 Kreuzbundgruppen, gefolgt von einem Entzug in Taufkirchen und 2 stationärer Therapien. Im Anschluss wurde ich psychiatrisch und psychologisch begleitet. Rückfällig wurde ich durch den Konsum von alkoholfreien Bier, das mich wieder auf den Geschmack brachte und mich an die Wirkung des Alkohols erinnerte

Seit 2016 bin ich bei Prop fest angebunden. Durch die Unterstützung im Betreuten Einzelwohnen und der regelmäßige Besuch der Kreuzbundgruppe und erst eine 3. Therapie im Freisinger Krankenhaus auf der psychosomatischen Station, die endlich gut zu mir passte, halfen mir langfristig abstinent zu werden.

Was war für Sie im Nachhinein eine wichtige Erkenntnis, die heute noch von Bedeutung ist – also Ihr Benefit aus der ganzen Geschichte?

Sich auf alle Fälle Unterstützung zu holen, auch wenn man (wieder) gefallen ist.

Nicht sagen ich brauche nichts, ich schaff das schon alleine, Sich auch nicht von anderen beeinflussen lassen

Fühlen Sie sich heute immer noch alkoholabhängig? Wenn ja, wieso, wenn nein, wieso nicht?

Ja, eine Garantie abstinent zu bleiben gibt es nicht. Man muss immer am Thema bleiben und sich aktiv damit auseinandersetzen. Oft hängt es von der Tagesform ab, dass man zu einer bestimmten Zeit am falschen Ort ist und einer bestimmten Situation ausgesetzt ist um rückfällig zu werden. Im Alltag wird es einem oft nicht leicht gemacht

Es gibt immer wieder Rückschläge, wie z. B. das Wohnen in der Notunterkunft, da muss man schon sehr stark sein.

Was hilft Ihnen heute stabil zu bleiben?

Wie gerade schon gesagt, die aktive Auseinandersetzung mit dem Thema Sucht

Mir gelingt die völlige Abstinenz seit 2018.

Das Treffen mit anderen Betroffenen in der Kreuzbundgruppe und BEW-Freizeit. Man weiß, dass man verstanden wird und kann auch für andere da sein, weil man versteht von was sie sprechen. Keiner ist ausgeschlossen. Hier wird mit Akzeptanz und Respekt miteinander umgegangen,

Das Gemeinsamkeitsgefühl gibt mir Halt abstinent zu bleiben, weil ich die anderen in der Gruppe nicht enttäuschen möchte, medikamentöse Unterstützung und durch die Begleitung im Alltag durch das Betreute Wohnen. Ohne dies wäre ich schon lange wieder rückfällig

Vielen Dank Herr Z.

Informationen zum Thema Sucht, Abhängigkeit und zu den Angeboten der Beratungsstelle Prop eV. gerne unter 08161 549890 oder auf https://www.prop-ev.de/

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