+++News aus dem Landratsamt: Erfolgreiches Wiesenbrüter-Projekt: Zahlreiche Kiebitz-Brutpaare auf einem Acker im Freisinger Moos.+++
Erfolgreiches Wiesenbrüter-Projekt: Zahlreiche Kiebitz-Brutpaare auf einem Acker im Freisinger Moos
Der Landkreis Freising hat es sich zum Ziel gesetzt, die stark gefährdeten Wiesenbrüter besser zu schützen. Dafür wurde 2024 ein von der Regierung von Oberbayern gefördertes Projekt gestartet, das nun Früchte trägt. Auf einem Acker zwischen Giggenhausen und Pulling stellten die Verantwortlichen vom Naturschutz am Landratsamt Freising und vom Landschaftspflegeverband insgesamt 28 Kiebitz-Brutpaare fest. „Das ist eine außergewöhnlich hohe Zahl“, sagte Julia Heidtke vom Naturschutz im Rahmen eines Pressetermins vor Ort. „Eine derart hohe Dichte ist sehr selten und zeigt die besondere Bedeutung dieser Fläche für den Artenschutz.“


In vielen Gebieten Bayerns, wie auch im Landkreis Freising, der einst mit seinen Moorgebieten einen wichtigen Lebensraum für wiesenbrütende Vogelarten wie den Kiebitz und den großen Brachvogel darstellte, sind die Bestände dieser Vögel in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. „Die Zahl der Kiebitze ist seit den 1980er Jahren um 90 Prozent eingebrochen“, sagte Heidtke. „Um den Kiebitz steht es sehr schlecht.“ Grund dafür sei abnehmende Qualität des Lebensraumes für die Wiesenbrüter, beispielsweise durch Entwässerung und dadurch zunehmende Prädation.
Der Kiebitz sucht offene Bodenflächen, gern auch feuchte Böden. Im Freisinger Moos finden sie gute Bedingungen. „Auf diesem Acker haben sich viele Vögel niedergelassen, weil er noch nicht umgeackert war. Hier können sie zwischen den Grasbüscheln ihre Nester gut verstecken“, sagte Fabian Eichhorn vom Landschaftspflegeverband Freising. Ehrenamtliche hatten das Feld von Landwirt Martin Königer sowie die angrenzende Ausgleichsfläche der Bahn eingezäunt, um die Gelege und Jungvögel (und auch die anderen Wiesenbrüter) vor Fuchs und Dachs zu schützen. Durch die Größe des Areals, es sind gut sieben Hektar, können sich die Kiebitze zudem durch Kolonie-Verhalten selbst vor Gefahr aus der Luft schützen. Wie aufs Stichwort steigen ein paar Vögel auf und vertreiben eine Krähe.
Gute Zusammenarbeit von Naturschutz und Landwirtschaft

zu den Bildern: Landwirt Martin Königer (v.l.), Fabian Eichhorn (Landschaftspflegeverband) und Julia Heidtke (Naturschutzbehörde) vor der Fläche im Freisinger Moos.
Zahlreiche Nester haben Kartierer entdeckt. (Foto: Leonardo Korinth)
Ein brütender Kiebitz. (Foto: Niklas Banowski)
Wenn der im Projekt beauftragte Kartierer ein Gelege entdeckt, wird in der Regel der Landwirt informiert, dem die Fläche gehört. Das Nest wird für den Landwirt sichtbar mit Stäben gekennzeichnet. Wegen der Vielzahl an Gelegen auf dem besagten Acker hätte der Eigentümer Martin Königer bei der Bewirtschaftung aber quasi Slalom fahren müssen, was natürlich undenkbar wäre. Deswegen suchten die Naturschützer das Gespräch und fanden gemeinsam mit den Besitzern eine tragbare Lösung. Königer tauschte mit einem anderen Landwirt den geplanten Maisanbau. Er ließ die Fläche zunächst unbearbeitet, setzt auf eine spät anbaubare Biogas-Maissorte und bekommt dafür einen finanziellen Ausgleich im Rahmen des Projekts. Diese Lösung wird sowohl den Bedürfnissen der Landwirtschaft als auch dem Schutz der Wiesenbrüter gerecht.
Normalerweise nutze er das betreffende Areal als Futterfläche, baue dort beispielsweise Futtermais oder Getreide an, sagte Königer. „Durch den Ertragsausfall ist das nur möglich, wenn es dafür Ausgleichszahlungen gibt.“ Natürlich stünden die Landwirte hinter dem Gedanken, die Tiere zu schützen und zu fördern. „Aber es muss sich auch für uns wirtschaftlich tragen.“ Das kann Fabian Eichhorn vom Landschaftspflegeverband nur unterstreichen: „Die überwiegende Mehrheit der Landwirte arbeitet sehr gut mit uns zusammen.“ Das Feld von Martin Königer sei freilich ein Sonderfall, weil es eben eine komplette Fläche betrifft. „Aber das ist ein Sinnbild dafür, wie gut unsere Kooperation funktioniert.“
Und davon profitieren die Vögel. Das Projekt zeigt Wirkung. Einige Jungvögel sind inzwischen flügge – ein klarer Hinweis auf den Erfolg der Maßnahmen. Die Organisatoren sind entsprechend zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass ein Großteil der Küken durchkommen. Die Zahl der flugfähigen kleinen Kiebitze steigt täglich“, sagte Julia Heidtke.

