+++ Showdown in Eching (Teil 3) Sebastian Thaler erkämpft sich seine Nominierung – und spaltet Eching wie nie zuvor +++
Eching/ Foto: eching.de. Er hat es geschafft. Mit 310 Unterstützerunterschriften hat Bürgermeister Sebastian Thaler seine erneute Kandidatur zur Kommunalwahl am 8. März 2026 durchgesetzt – und mit ihr die Zulassung seiner neuen Liste „Mega“.
Formal ein demokratischer Vorgang, politisch jedoch ein hochexplosiver Moment. Denn während Thaler von seinen Unterstützern gefeiert wird, regt sich im Ort massiver Widerstand. In Leserbriefen, Diskussionsforen und sozialen Netzwerken wehren sich viele Echingerinnen und Echinger sprichwörtlich „mit Händen und Füßen“ dagegen, dass Thaler weiterhin politischen Einfluss nimmt.
Nominierung mit Nebenwirkung: Ruhestand gesichert
Unbestritten ist: Mit der erfolgreichen Nominierung hat Thaler eine entscheidende juristische Hürde genommen. Unabhängig vom Wahlausgang ist damit der Weg in den kommunalen Ruhestand rechtlich eröffnet – selbst im Falle einer möglichen Abwahl. Für Kritiker ist das ein bitterer Beigeschmack, für Unterstützer ein legitimes Recht. Für die Gemeinde ist es vor allem eines: ein weiterer Zündstoff.
Unterstützer trotz Skandalen und strittiger Darstellungen
Dass Thaler die erforderlichen Unterschriften übertroffen hat, zeigt: Es gibt weiterhin Bürgerinnen und Bürger, die ihm die Treue halten – trotz einer Amtszeit, die von zahlreichen Skandalen sowie einer Vielzahl politischer und persönlicher Affären geprägt war.
Zur Wiederholung seiner Nominierung am 2. Januar 2026 erklärte Thaler gegenüber der Presse, er habe ohnehin vorgehabt, eine zweite Versammlung einzuberufen, um die Gemeinderatsliste final aufzustellen. Allerdings wurde am 20. Januar 2026 in der Sitzung des Wahlausschusses der Gemeinde bekannt, dass tatsächlich Formfehler vorlagen, die eine Wiederholung zwingend notwendig machten. Kritiker werfen Thaler vor, auch in diesem Zusammenhang nicht transparent kommuniziert zu haben.
In der öffentlichen Wahrnehmung gilt deshalb für viele der oft zitierte Satz:
„Ist der Ruf einmal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“
Kaum ein politischer Akteur in der Region verkörpert diesen Spruch derzeit so sehr wie Sebastian Thaler.
Massive Gegenwehr aus der Bürgerschaft
Parallel zur Nominierung kocht der Widerstand hoch. In Leserbriefen, Online-Kommentaren und Diskussionsforen ist der Ton scharf. Viele Bürger werfen Thaler vor, Eching weiter zu polarisieren, statt zur Befriedung beizutragen. Besonders häufig fällt dabei der Vorwurf, er stelle sich weiterhin als unverzichtbare Schlüsselfigur der Gemeindeentwicklung dar – eine Darstellung, die viele entschieden zurückweisen.
Gemeinderäte wehren sich gegen Thalers Aussagen in Instagram-Videos
Auch aus dem Gemeinderat kommt deutliche Kritik. Mehrere Ratsmitglieder werfen Thaler vor, in Videos und Pressemitteilungen Un- und Halbwahrheiten zu verbreiten. Ziel sei es, so der Vorwurf, sich selbst als alleinigen Motor zentraler Projekte darzustellen – zulasten einer sachlichen Darstellung der tatsächlichen Entscheidungsprozesse.
Konkret stoßen sich viele an einem kürzlich veröffentlichten Instagram-Video, in dem sinngemäß unter anderem vermittelt wird:
- ohne Thaler kein kommunaler Wohnungsbau
- ohne Thaler keine gesunden Finanzen
- ohne Thaler kein neues Rathaus
- etc.
Aus Sicht zahlreicher Gemeinderäte stellt dies eine bewusste Verkürzung dar: Große Projekte seien stets Ergebnis von Mehrheiten, Verwaltung, Planungsgremien und jahrelanger Vorarbeit – nicht das Werk einer Einzelperson.
Können die Echinger Bürgerinnen und Bürger Sebastian Thaler seine Fehler vergeben?
Sind es tatsächlich nur „kleine Fehler“ oder „ein paar falsche Entscheidungen“, wie manche seiner Unterstützer argumentieren?
Missverständnisse, überzogene Vorwürfe, politische Kampagnen gegen seine Person? Oder handelt es sich um eine Serie gravierender Verfehlungen, die für einen Bürgermeister schlicht nicht mehr tragbar sind?
Wie soll eine konstruktive Zusammenarbeit unter Umständen mit jenen Gemeinderäten gelingen, die derzeit juristisch gegen Sebastian Thaler vorgehen?
Welche Perspektive gibt es für eine tragfähige Vertrauensbasis im Gemeinderat, nachdem das Verhältnis zwischen Bürgermeister und Teilen des Gremiums seit mehr als fünf Jahren als stark belastet gilt und weiterhin Verfahren anhängig sind?
Hinzu kommt, dass viele Bürgerinnen und Bürger nach Jahren anhaltender Auseinandersetzungen, Klagen, Misstrauen zwischen Gemeinderat und Verwaltung sowie wiederkehrender Berichte über persönliche Verfehlungen Thalers – die nicht seine Amtsführung, sondern private Skandale betreffen – den politischen Dauerstreit in Eching leid sind. Der Wunsch nach Stabilität und einem Ende dieses konfliktreichen Kapitels ist in der Gemeinde deutlich spürbar.
Ist unter diesen Umständen zu erwarten, dass Thaler auch in der kommenden Legislaturperiode innerhalb des Gemeinderats politisch isoliert wäre? Und wie wirken sich die gegen ihn erhobenen Vorwürfe sowie die intensive Berichterstattung der vergangenen Jahre auf seine beruflichen Perspektiven außerhalb der Kommunalpolitik aus?
Vor diesem Hintergrund stellt sich zudem die Frage, ob seine erneute Kandidatur in der Gemeinde Eching als politischer Neuanfang zu verstehen ist – oder als letzter verbliebener Handlungsspielraum.
Die Faktenlage ist eindeutig:
Es geht nicht um einen vergessenen Beleg oder eine unglückliche Wortwahl. Es geht um eine rechtskräftige Verurteilung wegen Untreue, um eine Razzia im Rathaus, um anhängige Klagen des Gemeinderates, um die Frage nach Vorteilsgewährung, Amtsmissbrauch und politischer Selbstinszenierung. Das sind keine Bagatellen. Das sind Vorgänge, die das Fundament kommunaler Vertrauensarbeit erschüttern.
Vergebung ist eine persönliche Entscheidung. Politische Verantwortung jedoch kennt Grenzen.
Wer ein öffentliches Amt bekleidet – insbesondere das eines Bürgermeisters – trägt eine besondere Verantwortung für Transparenz, Vorbildfunktion und Vertrauen.
Aus heutiger Sicht spricht vieles dafür, dass Sebastian Thaler diese Vertrauensbasis dauerhaft beschädigt hat. Nicht wegen eines einzelnen Vorfalls, sondern wegen der Summe der Ereignisse – und wegen der Art, wie er bis heute damit umgeht.
Wahlkampf auf dem Siedepunkt
Damit ist klar: Die Kommunalwahl 2026 wird in Eching kein normaler Wahlkampf. Sie wird ein Plebiszit über Stil, Wahrheit, Verantwortung und politische Kultur. Auf der einen Seite ein Bürgermeister, der sich gegen alle Widerstände erneut zur Wahl stellt. Auf der anderen Seite vier Gegenkandidaten und ein erheblicher Teil der Bürgerschaft, die einen Schlussstrich fordern.
Eching erlebt derzeit einen politischen Ausnahmezustand. Ob Sebastian Thaler am Ende politisch überlebt oder ob seine Nominierung lediglich der letzte Akt einer höchst umstrittenen Amtszeit ist, entscheiden die Bürgerinnen und Bürger im März 2026.
Sicher ist schon jetzt:
Diese Wahl wird Geschichte schreiben – und Eching weiter spalten, bevor sie es vielleicht wieder zusammenführt.
Lesen Sie dazu auch unsere Vorberichte:
Andre Harney
Redaktionsleitung

